Archäologische
Funde deuten darauf hin, dass die Präsenz der Ureinwohner (First Nations)
in der Gegend um Vancouver etwa 4.500 bis 9.000 Jahre zurückreicht. Zur
Zeit des ersten Aufeinandertreffens mit Europäern gab es am unteren Fraser
River und an der angrenzenden Pazifikküste zahlreiche Siedlungen der
Musqueam, Squamish, Sto:lo, Tsawwassen und Tsleil'wau-tuth, die zu den
Küsten-Salish zählen. Diese Stämme zwischen Vancouver Island und
dem US-Bundesstaat Washington sind bis heute durch Sprache und Kultur, aber
auch durch Verwandtschaft und Handel nahe miteinander verbunden.
Obwohl
die Nahrungsmittelbeschaffung auf Sammeln und Jagd basierte, besaßen sie
eine vergleichsweise hoch entwickelte Kultur mit starker gesellschaftlicher
Differenzierung. Ihr ökonomisches System belohnte harte Arbeit, das
Anhäufen von Reichtum sowie die soziale Umverteilung dieses Reichtums, vor
allem durch die führenden Familien, deren Oberhäupter die
Europäer als chiefs (Häuptlinge) bezeichneten. Die Winterquartiere im
Raum Vancouver bestanden aus großen Langhäusern, die aus dem Holz
des Riesenlebensbaums gebaut wurden. Die Potlatch-Zeremonien waren ein
wichtiger Bestandteil des sozialen und spirituellen Lebens dieser
Stämme.
British Columbia weist mit mehr als 50 First Nations in
über 200 Gemeinden die größte Vielfalt unterschiedlicher First
Nations in Kanada auf. Kulturelle Einrichtungen, Museen und Touren durch die
Provinz bieten die Möglichkeit, mehr über die Geschichten, Feste,
Zeremonien und Traditionen der Ureinwohner zu erfahren.
Kunstwerke,
Schnitzereien und Totempfähle der Ureinwohner sind in vielen Galerien und
Museen ausgestellt oder befinden sich noch immer an ihren ursprünglichen
historischen Stätten. Bereits am Internationalen Flughafen Vancouver
empfängt die Reisenden ein beeindruckendes Beispiel vom Werk des bekannten
Künstlers Bill
Reid. Im Westen Vancouvers zeigt das architektonisch beeindruckende
Museum of Anthropology der
University of British Columbia eine viel gelobte Sammlung von Kunstwerken und
Gebrauchsgegenständen der Ureinwohner von BC.
Europäische
Besiedlung
Der spanische Kapitän José María
Narváez war 1791 der erste Europäer, der an den Küsten in der
Gegend des heutigen Vancouver entlang segelte. Ein Jahr später erkundete
der britische Kapitän George Vancouver die Straße von Georgia, den
Burrard Inlet und den Puget Sound.
Als Folge des
Fraser-Canyon-Goldrauschs (185860) und insbesondere des
Cariboo-Goldrauschs (186162) zogen rund 25.000 Männer, viele davon
aus Kalifornien, in das Einzugsgebiet des Fraser River. Die erste permanente
europäische Siedlung, die McCleery-Farm, entstand 1862 am Flussufer,
östlich der Winterlager der Musqueam im heutigen Stadtteil
Marpole.
Am 6. April 1886 erfolgte die offizielle Stadtgründung mit
dem neuen Namen Vancouver. Eine durch einen heftigen Windstoß außer
Kontrolle geratene Brandrodung zerstörte am 13. Juni desselben Jahres die
junge Stadt fast vollständig. In den ersten Jahrzehnten dominierten
große Konzerne das wirtschaftliche Geschehen, da sie das nötige
Kapital besaßen, um das quantitative und qualitative Wachstum der Stadt
voranzutreiben. Es entwickelten sich zwar einige Industriebetriebe, doch das
Rückgrat der städtischen Wirtschaft bildete die Ausbeutung der
natürlichen Ressourcen.
Vancouver wuchs am Anfang des 20.
Jahrhundert rasant. 1911 wurde die 100.000 Einwohner-Marke überschritten.
Wirtschaflich florierte der Rohstoffhandel und der produzierende Sektor. Nach
dem 2. Weltkrieg und der immer weiteren Ablösung Kanadas von
Großbritannien wurde Vancouver das wichtigste Handelszentrum und
einflußreichste Stadt im westlichen Kanada. Die Stadt bekam ein neues
Bild und der Wohlstand steigerte sich.
Vancouver
heute
Im heutigen Stadtbild sind Asiaten ein
fester Bestandteil. Im späten 20. Jahrhundert wanderten viele Menschen
asiatischen Ursprungs (vor allem aus Hongkong) nach Vancouver aus. Offenheit
und eine kulturelle Diversität trugen zum raschen Integrationsprozess bei.
Die Bevölkerung ist heute zu 50% ausländischen Ursprungs, über
ein Drittel sind asiatischen Ursprungs. Da wundert es nicht, dass Vancouver
nach San Francisco die zweitgrößte
Chinatown der Welt beherbergt.
Vancouver ist zur
Boomtown geworden, die Einwohnerzahlen schnellen auch heute noch in die
Höhe, die Wirtschaft floriert und es herrscht Vollbeschäftigung.
Vancouver ist mittlerweile zum Sinnbild einer modernen und lebenswerten Stadt
geworden und ist längst zur Weltstadt aufgestiegen.